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Bei der Geburt getrennt

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Northwich Victoria FC, einem der ältesten Non-League-Vereine Englands, droht der Konkurs. 5’000 Pfund fehlen zur Rettung.

FC Kreuzlingen 1905, dem ältesten Thurgauer Fussballverein, drohen ewige Runden in der fünften Leistungsklasse. 500’000 Franken fehlen zur Rettung.

3 Comments

  1. Die letzten Mohikaner von Northwich Victoria FC strahlen doch alle übers Gesicht. Das ist schon mal positiv. Grüsse über den Kanal! Queen Victoria würde sich doch im Grab umdrehen, könnten die läppischen 5’000 Pfund (60’000 werden aktuell insgesamt gebraucht) nicht noch eingesammelt werden. Der Englische Amateurfussball scheint übrigens deutlich billiger zu sein, als vergleichsweise der Schweizer. Das mag viele Gründe haben. Wobei in beiden Ländern der Begriff „Amateur“ nicht immer zutreffend zu sein hat, ist ab und zu zu lesen. Zumindest „semiprofessionell“ wird da und dort geheim zu werkel versucht, um vielleicht eines Tages höhere Ziele erreichen zu können. Wenn D.K. schreibt, der FCK brauche 500’000 Franken, um nicht ewig die gleichen Ligarunden drehen zu müssen, sondern – ich spekuliere – auch mal höher oben anzuklopfen, ist tatsächlich eine Summe genannt, um die es bereits in der 5. CH-Liga zu gehen scheint – oder zu gehen hat. Skala nach oben offen. Wer hätte das gedacht! Ich nehme mal an, die genannte Summe stimmt. Dann frage ich mich aber, wer sich in Kreuzlingen „im Grab umdreht“ – um den geflügelten Begriff nochmals zu verwenden -, sollte diese Summe in den kommenden 1-2-3 Jahren dem FCK nicht zur Verfügung stehen. Es sind wohl nur die getreuesten der treuen Fans, die längst verstorben sind (und wohl von ewigen 30-er Jahren träumen!). Oder regt sich tatsächlich bei den rundum Lebenden Kräfiges? Bei der Stadt, der Industrie, einem Mäzen – es dürfen auch mehrere sein!? Na ja, ist nur so eine Frühsommerschreiberei. Nicht mal das Vorhaben, zwischen der Victoria aus Northwich und dem FCK ein Benefizspiel zu beiden Gunsten zu organisieren, wäre eine ernst zu nehmende Fussballidee. Bereits die Unkosten würden die Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen. Und nachher steigen womöglich beide Vereine noch ab! Soweit ist es zumindest beim FCK jedoch überhaupt nicht, wie die noch laufende Saison schön zeigt. Dies sei hier mal deutlich als Aufmunterung für 2017/18 festgestellt! Und wie es bei der Victoria weiter geht, wird man sehen.
    Es ist einfach so eine verflixte Sache mit dem Fussball der Neuen Zeitrechnung. Manchmal sehnt man sich die alten Zeiten herbei, in der beim Bauer angefragt wird, ob man auf seiner eben gemähten Wiese für 1-2 Wochen zwei selbst gezimmerte Tore in einem gewissen Abstand voneinander aufstellen darf (30-40 Meter reichen aus, der Baum kann bleiben.). Und abends laufen im Quartier einige Leute zusammen, Opas und Omas, Väter und Mütter, Geschwister, Sonstige, sitzen am fiktiven Spielfeldrand auf den Wiesenstoppeln und schauen dem munteren Treiben zu: Tor! Tor! Würde man dies noch heute veranstalten, wäre ich allerdings unsicher, ob sich nicht ein Fussballscout heimlich unter die par Zuschauenden schleichen würde. Fussball ist prospektiv längst zum Geldsport geworden. Da schliesst sich sogar der Kreis: Beide – der Bauer mit seiner Wiese, wie auch der Fussball mit seiner – kann nur mit Subventionen überleben. Der Unterschied: der Bauer ist Voll- oder mindestens Semiprofi, die 2. Liga interregional fühlt sich dagegen zumindest nach aussen noch weitgehend amateurhaft an. Diese Gegenüberstellung ist natürlich ziemlicher Nonsens. Rote Karte!

  2. Die 500’000 habe ich des schönen Vergleichs wegen genommen. Im Gegensatz zu Northwich benötigt Kreuzlingen auch kein dringendes Geld zum überleben. Die benötigten Gelder um im Spitzenamateurfussball mitzuhalten sind in der Schweiz aber tatsächlich beträchtlich und diese Summe kommt dem Jahresetat mancher Spitzenamateurvereine sicher nahe, nicht nur aber auch der Spielerspesen wegen. Soll man Fussballer entlöhnen? Ein Thema so alt wie der Fussball selbst. Interessant: um einen aussergewöhnlich guten Spieler in die 2. Liga Interregional zu locken muss man in der Regel mehr Geld aufwenden als es ein Verein in der 1. Liga oder Promotion League müsste um selbigen zu halten, quasi als Entschädigung weil er nicht mehr im Schaufenster steht. Die Folge: Es soll Vereine in der 2. Liga Interregional geben, die mehr Geld für Ihr Kader aufwenden als Vereine in der Promotion League. Ein 3.-Ligist muss sich wiederum mehr bemühen um einen guten 2. Liga-IR-Spieler zu seinem Verein zu lotsen. Vereine möchten aber aufsteigen und brauchen dazu überdurchschnittliche Spieler. Eine Spirale bis hinab in die untersten Ligen. Alle tanzen am Limit.

  3. Am „Limit“, Daniel Kesseler, würde aus ganz anderer Sicht der FCK ankommen (wie ich dieser Tage lese), wenn sich die „Reka“ im Osten der Stadt derart ausbreiten dürfte, dass dort für Fussball – im Sinn vom Wort – „kein Platz“ mehr vorhanden sein sollte. Damit wäre eine – meines Wissens! – förmliche Aussage der Stadt zu diesem fraglichen Landstück am See obsolet. Fussballerisch gesprochen entstünde daher eine neue „Spielsituation“. Aufpassen! Da ist der Northwich Victoria FC für einmal, wie es scheint, besser aufgestellt. Noch.

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