Fanzine, Blog, Archiv, Fussballkultur – seit 1999

Match-Programm FC Young Fellows 1991

in Kreuzlinger Kiste by

In der Kreuzlinger Kiste mal wieder ein Fund aus der Frankengasse in Zürich (Sportantiquariat Germond). Ein Matchprogramm vom 1.-Liga-Spiel am 21. April 1991 zwischen dem FC Young Fellows Zürich und dem FC Kreuzlingen. Ausgetragen wurde die Partie im Stadion Utogrund. Es war das letzte Jahr des eigenständigen Bestehens von YF, ehe die Vernunftsehe mit Juventus Zürich erfolgte. Young Fellows war lange die Nr. 3 des Zürcher Fussballs, spielte gar Jahrzehnte auf Augenhöhe mit dem FC Zürich und den Grasshoppers. 1933 spielten bei den Young Fellows mit dem Schwarzen Wunder Faustos dos Santos und Fernando Giudicelli zwei brasilianische Weltmeisterschaftsteilnehmer von 1930 sowie 1957/58 der amtierende Torschützenkönig der Weltmeisterschaft 1954 Sandor Kocsis. Heute tritt der Verein als SC YF Juventus Zürich in der Promotion League an, leider nicht mehr im geschichtsträchtigen Utogrund sondern auf dem Zürcher Juchhof, der Zürcher Massenanlage des Fussballs. Meistens vor gerademal 150 Unentwegten – trotz gutem (Halbprofi-)Fussball. Einen wunderbaren Bericht über die Seele von YF verfasste der bekannte Sportreporter Walter Lutz, einen Nachdruck davon gibt es im Grenzstadtkurier Nr. 11 zu lesen.

Im vorliegenden Matchprogramm wird die Vergangenheit des FC Kreuzlinen gewürdigt (Bild) und es findet sich die damalige Kreuzlinger Aufstellung (Herbst; Osterwalder, Schaffner, Hollenstein; Lütte, Amato, Boretti, Lorenzi; Brêchet, Seeberger, Ersatz: Assirati, Bühler, Horwath, Hofmann, Caporosso). Kreuzlinger Interimstrainer war R. Schaffner.

 

1 Comment

  1. YF, wie andere Clubs der Stadt, etwas Red Star, die Blue Stars, Juventus und andere konnten oder wollten sich nie so richtig in der hoch professionellen Szene der Neuzeit festsetzen. Wobei z.B. die Young Fellows 1935/36 auf dem Förrlibuck sogar mal Schweizer Cup-Sieger wurden und längere Zeit als A-Verein durchaus erfolgreich spielten. Cup-Endspielgegner (2:0) war übrigens damals Servette Genf, in deren Reihen Eugène „Genia“ Walaschek spielte, Nationalspieler, der später Urania Genf-Sports trainierte. Ich selbst wikte Mitte-Ende der 50er in der Zweiten von „Ürania“ und lernte „Genia“ als einen aussergewöhnlichen Trainer und Menschen kennen. Der Club war zu der Zeit in der A-Liga, hatte mit Eugène Parlier einen populären Nationaltorwart in seinen Reihen. Dies so nebenbei.

    Die „Zürcher Massenanlage des Fussballs“ (Daniel Kessler) kenne ich nur von oben (Google Maps). Das „eingezwängte Platzding“ gibt immerhin vielen Clubs die Möglichkeit, ihren Sport auszuüben. Das wars dann aber wohl. So ist natürlich jede einigermassen gleichmässig flache, rechteckige Wiese am Stadt- oder Dorfrand, mit rankendem Klee und Löwenzahn an den Eckfahnenpfosten, begeisternder, hübscher.

    „Zürich und Fussballsportanlagen“ ist eben so ein Sache. Nicht mal die zwei grossen Vereine, der volksbürgerliche FCZ, sowie der etwas-nobler-sein wollende, ehemals von einem Studenten gegründete GCZ haben eine Anlage nach heutiger Vorstellung. Das Letzigrund ist es nicht. Und der Hardturm liegt seit Jahren abgewrackt im Nirgendwo. So ist Zürich wohl die einzige Grossstadt in Europa, in der die Fussball-Stadionneuzeit noch nicht eingetroffen ist. Woran das genau liegt: Ich weiss es nicht. Vielleicht gedeihen demokratische Prozesse einfach langsamer.

    Hoffenheim, das Dorf, hat übrigens 3’300 Einwohner! Dort spielte allerdings Dietmar Hopp bei der TSG 1899. Er bedankte sich später auf seine Art! Möchte man heute über das Dorf Hoffenheim bei Wikipedia nachschlagen, kommt zuerst die TSG-Geschichte. So kann man also nur rufen: Hopp Züri! Oder man fährt oder läuft zum Juchhof zu seinem Verein. Wenn man ihn dort überhaupt findet, bevor die 90-plus abgepfiffen sind. Ein Verein ohne seinen Stammplatz, ob nun als Stadion oder als einfaches Wiesenstück mit Bratwurststand und Getränkekiste, ist auf Dauer nur eine halbe Sache. Da entwickelt sich Vereinsgeschehen wenig gekoppelt mit einem Quartier oder einer ganzen Stadt. Örtlichkeiten bilden immer auch (Sport-) Geschichte ab.

    Kurz nochmals zurück zum aufgeführten Matchprogramm: An der Kreuzlinger Mannschaftsaufstellung lässt sich der gesellschaftliche Wandel innerhalb eines Vierteljahrhunderts ablesen. Die Namens-Charakteristik hat sich inzwischen verändert. Der Sport allgemein, besonders auch der Fussballsport, macht darauf aufmerksam. Fussball als stetige gesellschaftliche Brücke. Eine schöne Aufgabe!

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Latest from Kreuzlinger Kiste

0 CHF0.00
Go to Top