Wurst im Papier

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Mit 5:0 wurde die Wiler Talentauswahl vom FC Kreuzlingen demontiert, 90 Minuten gings fast nur in eine Richtung. Zumindest bis Mittwoch ist damit die Tabellenspitze zurück erobert. Strategisch nicht unbedingt förderlich, wie wir bereits von Leser B.N. wissen.

Widmen wir uns Nebensächlichem. Eine junge deutsche Zuschauerin bemerkt in der Pause des Wil-Spiels am Wurststand staunend: „eine Wurst in Plastik eingepackt?“ worauf ihr Konstanzer Begleiter unaufgeregt „ist hier ganz normal“ antwortet – Die Stadionwurst im (meist rosa) Wurstpapier, eine Schweizer Eigenart, der vor ein paar Jahren sogar ein Buch gewidmet wurde (welches in original Wurstpapier-Umschlag daher kommt). 

Knapp ein Dutzend Schweizer Fussballkultur-Bücher sind demnächst über den online-Shop von hafetschutter.ch erhältlich, darunter ein exklusiver Restposten des vergriffenen „Stadionwurst – der Fussballschweiz auf die Pelle gerückt“. Wer lieber etwas aktuelles liest, wird mit „11 Freunde – Spezial: Die wunderbare Welt der Amateure“ bestens bedient, erhältlich z.B. am Bahnhofskiosk in Konstanz. Im Untertitel heisst es vielversprechend „Hitzige Duelle auf dem Dorf, Grätschen auf dem Ascheplatz und Sonnenkönige im Vereinsheim“. Lesegenuss auch hier garantiert.

 

Wer Fussball lieber erleben denn lesen möchte, hier die nächsten Spiele: 1. Mannschaft am Sonntag, 24.9. um 15.00 Uhr beim FC Rüti, 2. Mannschaft am Samstag, 23.9. um 19.00 Uhr im Hafenareal gegen den FC Tägerwilen (3.-Liga-Derby!).

Wer auf den online-Shop nicht warten will, hier bereits die Produktbeschreibung von „Stadionwurst“, auf Wunsch versende ich das Buch auch schon:

Stadionwurst – der Fussballschweiz auf die Pelle gerückt

Der Genuss einer feinen Bratwurst gehört in der Schweiz zu jedem Spielbesuch. In „Stadionwurst“ folgt die längst überfällige Hommage in Buchform. 23 Reporter und 18 Fotografen wurden losgeschickt um 24 Fussballorte zu besuchen, von Aarau bis Winterthur, von Biel bis Zürich (abgerundet durch 5 internationale Specials). Das Resultat sind eigenwillige Texte, welche in den besten Momenten voller Seele und Liebe zum Spiel sind. Die Fotos sind ein besonderer Höhepunkt des Buches und sprechen oft ganze Geschichten nur für sich.

Aus dem Vorwort: Stadionwurst ist mehr als Verpflegung. Viel mehr. Das facettenreiche Grillgut verkörpert das Fan-Sein in seiner ursprünglichen, schnörkellosen Form. Fan-Sein, das heisst: an jedem verdammten Spieltag dazustehen, Oder zu sitzen.  Bier links, Wurst rechts, umgeben von Freunden und Gleichgesinnten. Fan sein heisst da sein. (…) Die Stadionwurst ist eine fleischgewordene Metapher dafür. Sie ist, wie Live-Fussball sein soll: ehrlich und einfach, manchmal ein Genuss, manchmal grottenschlecht. Und sie ist immer dabei. Sie gehört zum Stadionbesuch wie die Mannschaften, der Schiri, der Ball.

2011. 173 Seiten. Zahlreiche Fotos. Gebunden.
Mit rosa Wurstpapier-Umschlag.
CHF 55.- (+Lieferung CHF 7.-)
Verlag stadionwurst.ch / Hrg. Benz/Hofer/Hofmann

Restposten (Neuware), zu bestellen bei: kessler.daniel@gmx.ch

Titelfoto von Pasquale Jannuzzo, vielen Dank!

1 Comment

  1. Für einmal geht es zuerst um die Wurst: Sie kann fast zur Haupsache mutieren besonders dann, wenn der eigene Klub ein definitives Spiel gewinnt. Sagen wir mal eines, das zum Aufstieg reicht. Ich behaupte, ohne dies wissenschaftlich beweisen zu können, dass ganz grundsätzlich der Grillmeister bei einem gelungen Spiel – konkret ab einem 3 zu 0 oder so noch vor der Pause -, deutlich mehr Würste aufzulegen hat, als bei einem trostlosen Kick, bei dem dann auffallend die Tendenz aufkommt, dass einige Würste zu lange auf den heissen Stangen ausharren müssen. Ich meine auch: Stadionwürste schmecken situationsbedingt unterschiedlich – je nach Spielresultat oder Schiedsrichterleistungen. Zum Trost kann man übrigens eine unglückliche Niederlage mit viel Senf noch ein Stück verdaulicher gestalten. Aber das wäre kaum nach dem Geschmack von Stadionwurst-Metzgermeistern plus Grillern, die sich bemühen, ein Fussballspiel auch kleinkulinarisch top auf den Punkt zu bringen. Manche schaffen es gar zum Meister ihrer Sippe. Oder alles Geschmacksache? Einfach ausprobieren!
    „Stadionwurst“? O.K.! Geht nun mal begrifflich als Standard durch, ob man am Rande einer simplen Dorfspielwiese in den Niederungen des Fussballs grillt, oder in der 3. oder 4. Stadionetage bei den VIP’s. Gibt es übrigen dort oben auch einfache Stadionwürste? Oder wird grundsätzlich schon mal Kavier und Schampus gereicht, um die Sponsoren vorsorglich auch bei einer Niederlage auf Trab zu halten? Sau blöde Frage! Hauptsache, die Stadionwurst schmeckt! Oben – wenns sein muss, und unten besonders gewürzt.

    Dass Foto-Journalisten eines Tages ein Buch vorlegen, das mal hinter die Kulisse von Stadionbruzzlern sieht, dabei besonders die – im Wortsinn – „eingefleischten Fussballfans“ einbezieht, denen es vielleicht sogar ab und zu egal ist, wie die Wurst am Ende schmeckt, Haupsache Gesellschaft plus Sieg, musste ja mal kommen. Gesellschaftlich nebenbei interessant, dass es nicht zwangsläufig länderübergreifend gilt, eine Wurst schlicht in ein aufgeschnittenes Brötchen zu klemmen, sondern die Wurst zusätzlich rosa (weiss geht sogar auch) eingepackt ausgeliefert zu bekommen. Neben Fussballkultur gibt es somit bemerkenswert unterschiedliche Wustpräsentationskulturen zu beobachten. Wer hätte das gedacht.

    Wil 2: Wann „demontiert“, „zerlegt“, usw. begrifflich greift, weiss ich nicht. Ich schätze mal, die 5 muss es schon sein. Und dann ist da noch immer der seriöse Matchbericht, der ausser dem Zerlegen oder Demontieren die Euphorie dann doch noch etwas dämpfen kann. Sei es, dass der Gegner von Grünweiss wahrlich nicht das Gelbe vom Ei war. Oder die eigene Mannschaft sich auch nicht immer so koscher im Bilde sah. Oder – durchaus interessant – mit vielen seltsamen Rückpässen zum Torsteher auffiel. Eine absolute Demontage oder Zerlegung kann also viele Facetten beinhalten. Gewiss ist nur: Ein Gegner geht nicht gerne zerlegt nach Hause. Doch dann greift noch immer die Viertelstunde des Trainers am Trainertalk. Er weiss, was und wie da demontiert wurde und sieht sich kommende Woche als Monteur. Ist sein Job.

    Es gibt les- und hörbar immer wieder neue Ausdrücke, um Fussball journalistisch beschreibend oder redend zu erklären. Nach mir darf (fast) alles dabei sein. Nur bitte, bitte nicht „einnetzen“. Ausnahme, die eigene Mannschaft „netzt ein“! Und das tut der FCK derzeit ordentlich. Schmeckt. Mit Wurst noch besser.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*