Das Grenzland-Stadion und Vicente del Bosque an einem Abend!

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Zuerst mal setzen. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Die Deutsche Akademie für Fussball-Kultur zeichnet meine Bemühungen um die Erinnerung an die Kreuzlinger Fussballgeschichte in Fanzines, Zeitungsartikeln, Re-Prints, Matchprogrammen, der Norman-Smith-Bande, der Festschrift etc. mit dem Preis „Fussball-Erinnerung des Jahres“ aus – im Besonderen für meine „Erinnerungen ans Grenzlandstadion von 1931 bis 1959“. Für mich eine grossartige Anerkennung an meine jahrelange, zeitintensive und manchmal wohl auch etwas verrückte Leidenschaft für diesen verhältnismässig kleinen Verein und seine Geschichte.

30 Bewerber gab es, darunter etwa die Initiative „Gefallene Herthaner des 1. Weltkriegs“, das Film-Projekt „Liga Terezin“, die Wander-Ausstellung „Flucht, Migration und Fussball“ oder die Buchreihe „Bibliothek des deutschen Fussballs“ von Frank Willmann – und da räume ich mit der Geschichtsaufarbeitung meines kleinen Heimatvereins den mit 5’000 Euro dotierten Preis ab, ich kann es immer noch nicht so richtig glauben.

Am 20. Oktober steht die Fussball-Gala in der Nürnberger Tafelhalle an, wo ich zusammen mit den Preisträgern von vier weiteren Kategorien geehrt werde, darunter wird auch der „Walter-Bensemann-Preis“ vergeben, diesjähriger Preisträger: der spanische Weltmeister-Trainer Vicente del Bosque! Real Madrid und FC Kreuzlingen an einem Abend. Den Preis für die „Fussball-Erinnerung des Jahres“ wird mir von Katrin Müller-Hohenstein (aktuelles Sportstudio) überreicht, die Laudatio für meine Arbeit hält Dr. Christof Siemes (Kulturreporter „Die Zeit“, Roman „Das Wunder von Bern“). Himmel, wenn ich da vor Aufregung mal nicht von der Bühne falle.

In der Jury sass übrigens auch Dietrich Schulze-Marmeling, dessen BVB-Bibel „Der Ruhm, der Traum und das Geld“ von 1994 hat meine Leidenschaft zum Fussball massgeblich befeuert, für mich also eine besondere Ehre!

Was ich mit dem Geld mache? Das fliesst in meine Projekte um den Kreuzlinger Fussball und kommt auf ein dafür angelegtes Konto. Schon jetzt war das manchmal nicht nur zeit- sondern auch kostenintensiv, sei es für diesen Blog, die Druckkosten der Fanzines (im Laufe der Jahre habe ich zwar rund 1’800 Exemplare des Grenzstadtkuriers verkauft, aber trotzdem waren die wenigsten Ausgaben selbsttragend), aber auch für so Kleinigkeiten wie den Pokal zum „FCK-Spieler des Jahres“, der Kauf von FCK-Memorabilia auf online-Plattformen, die Bezahlung von Grafikern, der Erwerb von antiquarischen Büchern zu Recherchezwecken, Spielplakate zu besonderen Spielen etc.

Diese Woche hat sich übrigens auch noch die mittlerweile in Berlin lebende Tochter von Walter Beerli (Titelgeschichte Grenzstadtkurier Nr. 11) bei mir gemeldet. Wir wollen der Geschichte um ihren Vater, dem vielleicht begabtesten Kreuzlinger Fussballer nach dem 2. Weltkrieg, in einem erweiterten Artikel noch mehr Tiefe verleihen. Seid gespannt!

Danke an Saro Pepe (Netzwerk Fussballkultur Schweiz) für den Hinweis zur Wettbewerbs-Teilnahme, an die Deutschen Akademie für Fussballkultur für die tolle Zusammenarbeit in den letzten Wochen, an die easyCredit-Bank für das gestiftete Preisgeld, an Fabienne, Finja und Malea für die Geduld mit meiner Leidenschaft und an alle Personen, die mich bei der Arbeit unterstützt haben. Ach ja, wenn jemand in Nürnberg dabei sein will, kann er sich gerne bei mir melden.

Hier gehts zur Preisverkündung der Deutschen Akademie für Fussballkultur.

 

6 Comments

  1. Hallo Dani
    herzliche Gratulation zu deiner unglaublichen Auszeichnung. Beharrlichkeit gepaart mit unendlicher Neugier. Was dabei rauskommt hast du bewiesen.
    Geniess die Ehrung und lass dich feiern.
    Grüsse
    David

  2. Diese Auszeichnung trifft den Richtigen! „Kultur“ ist tatsächlich auch im Fussball kein Fremdwort. Zwischen all den Mitteilungen über gigantische Geldsummen, üblen Ausschreitungen und anderem Negativen, das man dieser Sportart heutzutage zuschreiben kann – oder könnte, gibt es im Stillen eben doch auch eine zu beachtende „Fussballkultur anderer Art“. Daniel Kessler gehört das Verdienst, sich mit einem Kreuzlinger Phänomen beschäftigt zu haben – als Zielpunkt die längst vergessene Örtlichkeit „Grenzlandstadion“ -, was seinerzeit eine ganze Region sportlich entzücken, Massen mobilisieren konnte. Die „Erinnerung an eine aussergewöhnliche Fussballzeit am Bodensee“ ist ein Beispiel, wie gesellschaftswirksam Sport sein kann – oder könnte, wenn ein Gesamtrahmen stimmt. Warum es ausgerechnet an der unteren Konstanzerstrasse um 1930 zu diesem viel beachteten Exploit kommen konnte, hatte sicher verschiedene Gründe und Zufälligkeiten. Dieser Massstab lässt sich nicht einfach auf unseren heutige Zeit übertragen. Das „Grenzlandstadion“ bleibt somit Geschichte. Doch die Erinnerung daran bleibt wach, vibriert noch immer, „um eines Tages…….“ (die Textfortsetzung ist individuell zu gestalten!).

    Ich gratuliere also schon mal Daniel Kessler! Das „Abenteuer Nürberg“ sollte er gut überstehen. Auch wird er, wie es scheint, weiter am Ball bleiben, wenn es fussballerisch nach seinen Intentionen etwas aufzuarbeiten gibt. Und sollte die Preisverleihung abends „in die Verlängerung gehen“ (!), so kommt der Bepreiste wohl nicht an einer gehörigen Portion der kleinen Nürnberger Bratwürste vorbei. Seit 1313 auch ein Stück Kulturgeschichte – für einmal kulinarisch! Rostbratwürste gehören ja ohne Zweifel ebenso zur Fussballszenerie. So schliesst sich dann der Kreis auf eine nürnbergerisch beglückende Art.

  3. Bravo, Herr Kessler! Nun geht zum ersten Mal ein Preis der Akademie in die Schweiz, und dies zur rechten Zeit an den rechten Ort. Hast es mehr als verdient. Herzlichen Glückwunsch und einen guten, langen Abend an der Gala!

  4. Sali Dani
    Ich gratuliere dir auch von Herzen zu deinem verdienten Preis. Geniesse den Moment der Ehre. Viele Stunden hast du dafür geopfert und dafür auch mal einen grossen Dank in Form eines Preises bekommen. Es war mir eine Freude dich kennen gelernt und deine Bescheidenheit erlebt zu haben.
    Für deine weitere Zukunft wünsche ich dir alles Gute, möge deine Motivation noch lange andauern. Nochmals grossen Dank für deine tolle Leistung.
    Liebe Grüsse. R.Kramer

  5. Super Dani! Gratuliere. Deine Berichte machen den FCK auch (leider) aus der Ferne weiterhin interessant und lesenswert! Reschpeckt! 😉

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