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Freudentänze und Jagdszenen

in Vor- und Nachbetrachtungen by

Bei den Spiele Kreuzlingen vs. Freienbach redet man auf beiden Seiten von einem Klassiker der letzten Jahre. Die Zutaten: sportliche Augenhöhe, dramatische Spiele, eine spürbare Rivalität auf Platz und Rängen. Das Spitzenspiel am Samstag hielt zwar nicht das sportliche Versprechen, zu fehlerhaft war besonders der Spielaufbau der Kreuzlinger, aber wie schon so oft endete dieses Partie denkwürdig. Freienbach, über weite Strecken das bessere Team, kassierte tief in der Nachspielzeit und in buchstäblich letzter Spielsekunde den K.O.-Schlag zum 2:1. Die Zuschauer im Hafenareal setzten zu Freudentänzen an, derweil es Richtung Kabinentrakt zu Szenen kam, die an das Schweizer Spiel in der Türkei erinnerten. Wirklich unverdient war die Niederlage der Freienbacher nicht, denn die letzte Viertelstunde suchte nur noch Kreuzlingen den Sieg. Im Clubhaus wurden schon Wetten abgeschlossen ob sich der Freienbacher Trainer überhaupt noch dem Trainertalk stellen würde. Er kam, zuvor verwüsteten seine Spieler nur noch schnell die Kabine, inklusive wenig freundlicher Graffitis. Wenig freundlich auch der Freienbacher Präsident, der in Mails auch mal grundlos ausfällig wird – gleichzeitig das Motto seines Vereins unter „Fairplay“ stellt. Wow, muss man erstmal alles so hinkriegen. Taktisch klug wurde der anschliessende Trainertalk von Bruno B. geführt – er gilt als einziger Kreuzlinger, dem in Freienbach ein Café serviert wird. Immerhin.

1 Comment

  1. Die Fünfdörfergemeinde Freienbach ist eine urschweizerische, Schwyzer Gemeinde am Ende einer Bandstadt, die sich von Zürich her molochartig am Ufer ausbreitet (und nur noch einen Seerest „ziemlich naturnah“ übrig lässt). Zur ähnlich gearteten, berühmteren „Goldküste“ am nördlichen Ufer gesellt sich also , wenn man so will, eine südliche „Silberküste“ (mindestens). Tatsächlich herrschen auch hier formidable niedrige Steuern mit entsprechend guten (sowie weniger guten) Entwicklungen. Wieweit, und in der welcher Form sich diese Gebietseigenschaft transfair-fussballerisch niederschlägt, niederschlagen könnte, bleibt im Dunkeln.

    Der FC Freienbach gilt als ein tüchtiger, erfolgreicher, noch recht junger „Tschuttiverein“ (gegr. 1965), der von sich schreibt, mit „Respekt, Fairness und Toleranz“ Sport betreiben zu wollen. Dafür wurde der Verein bereits schon mal vom Schweizerischen Fussballverband ausgezeichnet. Wenn ich den „Hafetschutter“ richtig interpretiere, so muss diese Auszeichnung vor dem Ende des samstäglichen Spiels vergeben worden sein! Andererseits ist der Spielbericht auf der Internetseite des FC Freienbach fair, auch wenn der lastsekunden-K.O. überaus ärgerlich sein dürfte. Was man versteht. Fussball ist eben, spätestens Zentimeter vor der Torlinie, auch ein Glücksspiel. Und wann ein Schiri abpfeift und feststellt, nun ist endgültig Schluss, weiss man auch nie. Da hat eine zum Spielende aufgestellter kämpfende Mannschaft immense Vorteile. Und das war eben, man liegt wohl nicht ganz fehl, der FCK. Die Fussballgeschichte weist übrigens besonders in jüngerer Zeit aus, dass Spiele oft in der unbestimmten Verlängerungsphase gewonnen werden – oder eben verloren gehen können, wie nun der FCF am Bodenseeufer ärgerlich erfahren musste. Im Saisonverlauf gleichen sich Glück und Unglück jedoch meistens aus. Im unglücklichen Fall kann dieser oder jener Beteiligte schon mal durchdrehen, was dann den Vereinspräsidenten als Regulativ fordert, fordern sollte, fordern muss!

    Fassen wir es mal auf der rein fussballsportlichen Ebene zusammen: Der FC Freienbach und der FC Kreuzlingen sitzen nun punktemässig seit Samstag im gleichen Boot und müssen weiter versuchen, dem vorausrauschenden, derzeit obertüchtigen FC Linth 04 den Weg abzuschneiden – genauer: auf ein Tief des Glarner Spitzenreiters hoffen. Neben Spitzenkämpfen gilt es besonders, auch regelmässig gegen schwächere Mannschaften hoch zu punkten (aber was ist schon „regelmässig“ im Fussball!). Der Ärger zu verlieren ist nach einem Spitzenkampf eher verschmerzbar, als das traurige Ende, gegen einen minderen Gegner die Chance endgültig zu verspielen, sich als absoluter Liga-Spitzenclub zu outen. Ob es dann zu einem Aufstieg reicht, wissen die Götter. Ich nehme mal an: sollte es Freienbach schaffen, werden sie vor Freude auf den nahen Etzel (1098 m ü.M.) pilgern. Oder gar auf den Grossen Mythen (1898 m ü.M.). Für den FCK stünde zum Beispiel das Hörnli bereit (1133 m ü.M. – der Ottenberg wäre zu schwach). In diesem Sinn: sportliche Grüsse von See zu See. Weiter geht die Meisterschaft…….fair, tolerant, mit Respekt.

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